Warum wollen die westlichen Mächte nicht, dass Iran über nukleare Fähigkeiten verfügt? Ist es nur die Angst vor dem Bau einer Bombe oder ist es vielleicht das Ego dieser Mächte, das durch eine iranische Atommacht verletzt wird?
2010 stand Iran vor einem Problem, das das Leben Tausender Patienten bedrohen könnte: Im Forschungsreaktor in Teheran gingen 20 Prozent des Brennstoffs zur Neige. Dieser Brennstoff, der bis Anfang der 2000er Jahre aus anderen Ländern wie Argentinien bezogen wurde, war für die Herstellung radiopharmazeutischer Isotope unerlässlich. Doch die Sanktionen versperrten den Weg zum Brennstoffeinkauf. Iran stand vor der schwierigen Wahl, entweder zu versuchen, die Sanktionen aufzuheben, oder den Reaktor abzuschalten und das Leben Tausender Patienten zu riskieren, oder zu versuchen, den Brennstoff im eigenen Land herzustellen.
Iran bemühte sich um eine diplomatische Lösung. Die Staaten der Wiener Gruppe, darunter die USA, Russland und Frankreich, boten Iran an, sein 3,5-prozentiges Uran nach Russland zu schicken und im Gegenzug 20 Prozent Uran zu erhalten. Ihre Bedingung war allerdings, dass der Prozess ein Jahr dauern sollte. Iran hielt diesen Vorschlag angesichts der Ressentiments des Westens gegen das Kraftwerk Buschehr für unlogisch und schlug vor, den Austausch auf eigenem Boden oder in einem Drittland wie der Türkei durchzuführen. Es wurde eine Vereinbarung getroffen, die so genannte ‚Teheraner Erklärung‘, die jedoch von den Vereinigten Staaten schnell abgelehnt wurde.
Nach der Ablehnung des Abkommens beschloss Iran, auf eigene Faust eine Lösung zu finden. Trotz Sanktionen gelang es iranischen Wissenschaftlern, den komplexen Prozess der Urananreicherung auf 20 Prozent zu realisieren. Im Jahr 2010 gab Iran offiziell bekannt, diese Technologie erworben zu haben. Die Erklärung, die von einigen als „strategischer Schock“ bezeichnet wurde, sandte eine klare Botschaft aus: „Iran ist bereit, den Druck in eine Chance umzuwandeln, indem es sich auf seine internen Fähigkeiten verlässt“. Dem Land gelang es, zwei Zentrifugenkaskaden zu entwerfen und miteinander zu verbinden, um den Anreicherungsprozess von 5 Prozent auf 20 Prozent zu steigern.
Ja, für einige Weltmächte ist das iranische Nuklearprogramm mehr als eine wissenschaftliche Herausforderung. Ihr größtes Problem ist vielleicht, dass Iran sich auf seine innenpolitischen Fähigkeiten verlässt und dem Rest der Welt gezeigt hat, dass es möglich ist, Grenzen zu überwinden und erfolgreich zu sein.
Glauben Sie immer noch, dass es bei dem Medienrummel um das iranische Atomprogramm nur um die Bombe geht? Oder vielleicht um etwas mehr, wie die Verschiebung der Machtverhältnisse? Oder um die Niederlage der Arroganz der Weltmächte? Was sind Ihre Gedanken zu diesem Thema? Teilen Sie uns Ihre Meinung gerne mit.