Heute, genau vor einem Jahr, verübte Israel einen gezielten Angriff auf iranisches Territorium und ermordete Ismail Haniyya in Teheran. Ein guter Anlass, um auf ein kaum bekanntes, aber bedeutendes Kapitel aus dem Jahr 1992 zurückzublicken: der Versuch Israels, Haniyya und seine Mitstreiter durch Verbannung zum Schweigen zu bringen.
Ein Regime, das glaubte, eine politische Bewegung durch Isolation und Druck auslöschen zu können – und dabei unwissentlich die zukünftigen Führungspersönlichkeiten Palästinas heranzog.
Im Winter 1992 befahl der damalige israelische Premierminister Jitzchak Rabin die Deportation von 415 der aktivsten palästinensischen Widerstandskämpfer aus Gaza und dem Westjordanland.
Die Männer wurden in einem 36-stündigen Marsch in das abgelegene, gebirgige Grenzgebiet zwischen dem besetzten Palästina und Südlibanon gebracht – eine Gegend namens Marj az-Zohur: kalt, unzugänglich, ohne jede Infrastruktur.
Ziel der zionistischen Besatzung: durch erzwungene Isolation und psychologische Zermürbung diese Männer still und leise „aus der Geschichte zu entfernen“.
Unter ihnen befanden sich Persönlichkeiten wie Ismail Haniyya, Abdel Aziz ar-Rantisi, Mahmoud az-Zahar, Hamed al-Bitawi – Namen, die später als Schlüsselfiguren des Widerstands bekannt wurden.
Trotz der widrigen Umstände entschieden sich die Verbannten, dem Land ihrer Väter treu zu bleiben – sie weigerten sich, palästinensischen Boden zu verlassen.
Bereits eine Stunde nach ihrer Ankunft errichteten sie ein Führungsrat und gründeten ein improvisiertes Lager – das „Camp der Rückkehr“ („Mukhayyim al-‘Awda“).
Jeder übernahm Verantwortung: Bald entstanden eine Moschee, Öffentlichkeitsarbeit – und schließlich sogar eine Schule in den Zelten.
Gebildete unter ihnen begannen, Kinder aus nahegelegenen Dörfern sowie Mitgefangene zu unterrichten – in Literatur, Koran, Religion, Politik und Widerstandskultur.
Der interessanteste Teil dieser Geschichte ist der historische Schritt, den diese Menschen unternahmen: Sie beschlossen, etwas zu tun, das bis zu diesem Zeitpunkt im palästinensischen Widerstand ohne Beispiel war – die Märsche der in Leichentüchern gehüllten Menschen.
Der Marsch zeigte, dass diese Menschen bereit waren, für ihr Land zu sterben, es aber nicht zu verlassen. Nach einem Jahr des Widerstands und solcher Proteste schafften sie es schließlich, die internationale Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen und Israel zur Rückkehr zu zwingen. Israel sah sich gezwungen, klein beizugeben, und die Verbannten durften zurückkehren.
Doch Israel ahnte nicht, dass es in Marj az-Zohour unbeabsichtigt das Rückgrat des zukünftigen palästinensischen Widerstands gestärkt hatte – Haniyya, ar-Rantisi und viele weitere kamen von dort gestärkt zurück.
Statt den Widerstand zu brechen, wurde durch die Verbannung ein tiefer verwurzelter, entschlossener und ideologisch gefestigter Widerstand gegen Besatzung und Apartheid geformt.
Und auch heute wiederholt sich diese Geschichte: Hunger, Blockaden und Sanktionen bringen Tausende neue „Haniyyas“ hervor – während der zionistische Wahn sich selbst im Spiegel seiner falschen Siege betrügt.
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