Erinnern wir uns, dass Israel an dem Tag, als die syrische Regierung stürzte, überraschend schnell und vorbereitet Teile des südwestlichen Syriens besetzte. Aber der Führer von Tahrir al-Sham sprach in der Umayyaden-Moschee in Damaskus gegen Iran! Warum hat er bei dieser Gelegenheit kein einziges Wort über Israel verloren?
Seltsamerweise begannen genau an dem Tag, an dem der Waffenstillstand zwischen Israel und dem Libanon verkündet wurde, die Bewegungen der bewaffneten Terroristen in Syrien, bis sie mit unglaublicher Geschwindigkeit Damaskus erreichten. Das syrische Regime stürzte sehr schnell, und am selben Tag, an dem die syrische Regierung fiel, eroberte Israel den strategisch wichtigen Berg Hermon, 50 Kilometer von Damaskus entfernt, sowie Gebiete in der Provinz Quneitra im Südwesten Syriens.
Seit diesem Tag haben israelische Luftangriffe 500 Orte der kritischen Infrastruktur Syriens getroffen, und die militärische Präsenz des Regimes auf den Golanhöhen wurde verstärkt. Der israelische Premierminister betrat merkwürdig selbstsicher das syrische Territorium, verlas auf den besetzten Golanhöhen eine offizielle Erklärung und warnte die Bewohner der syrischen Grenzdörfer. Doch diese unverhohlene Aggression wurde von völligem Schweigen der bewaffneten Gruppen wie Tahrir al-Sham begleitet. Was ist der Grund für dieses Schweigen?
Am selben Tag hielt Jolani, der Führer von Tahrir al-Sham, in der Umayyaden-Moschee in Damaskus eine Rede gegen Iran und die Hisbollah, anstatt sich auf die israelische Aggression zu konzentrieren. In all seinen Interviews und Stellungnahmen nannte er Iran und die Hisbollah als Hauptverantwortliche für die Probleme Syriens. Und das, obwohl die offiziellen iranischen Kräfte seit vielen Jahren nicht mehr in Syrien präsent sind und sich auf die Achse des Widerstands und der Unterstützung Palästinas konzentriert haben.
Nach dem Fall von Aleppo wurde das iranische Konsulat in der Stadt angegriffen und die iranische Botschaft in Damaskus geplündert. Iranische Flaggen wurden in den Straßen verbrannt und bewaffnete Männer skandierten bei jeder Gelegenheit Parolen gegen Iran.
Iran war das einzige Land, das sich dem amerikanisch-israelischen Plan von 2011 in Syrien widersetzte, um zu verhindern, dass Syrien zu einem neuen Libyen im Nahen Osten wird. Ja, ein diktatorisches Regime ist für niemanden wünschenswert, weder in Libyen noch anderswo. Aber die besonnenen Akteure in der Region standen vor der Frage, ob die derzeitigen Regierungen und Stabilität besser für die Menschen und die Region sind oder die Herrschaft von IS, Al-Nusra und Tahrir al-Sham? Sind vermeintlich diktatorische Regierungen besser oder Chaos in einer verbrannten Erde, die für die Ausplünderung durch die USA und Israel bereit ist?
Es ist nicht das erste Mal, dass Gruppen in der Region muslimische Nationen hintergehen, anstatt sich ihren echten Feinden zu stellen. In der Vergangenheit überließen die Osmanen Palästina rücksichtslos den Briten und Zionisten. Und heute haben einige bewaffnete Gruppen mit ihrem extremistischen Denken und ihrer Unterstützung für die Kolonialmächte den Weg für die israelische Aggression geebnet. Wird diese Politik nicht erneut zu einer Katastrophe für die Menschen in der Region führen?